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Intro
Wir mögen Photoshop nicht besonders. Ehrlich gesagt sind wir keine großen Fans davon – und richtig gut darin sind wir auch nicht. Aber das hat einen Grund. In einer Welt, die ständig nach Effizienz strebt, wollen wir bewusst einen anderen Weg gehen. Anstatt Effizienz hinterherzujagen, konzentrieren wir uns lieber auf Zufriedenheit, Authentizität und den persönlichen Geschmack. Jede Fotografin und jeder Fotograf kennt dieses Glücksgefühl, wenn ein neues Bild direkt in der Kamera entsteht. Dieser Prozess ist so viel befriedigender, als während des Shootings Kompromisse einzugehen und sich vorzunehmen, alles „später in der Postproduktion“ zu reparieren – immer in der Hoffnung, dass am Ende alles gut geht.
Aber es geht nicht nur um das gute Gefühl. Dieser Ansatz hat noch andere entscheidende Vorteile, die massiv zur Qualität und Glaubwürdigkeit des fertigen Bildes beitragen.
Warum so viel wie möglich in der Kamera umsetzen?
Unsere wichtigste Software ist Capture One. Das ist die Anwendung, mit der wir unsere Kamera während eines Fotoshootings verbinden. Sie ermöglicht uns das „Tethered Shooting“ (Bilder erscheinen also sofort auf dem Laptop) und bietet eine starke Umgebung für die RAW-Entwicklung.

Wenn es um die Bearbeitung von Farben und Tonwerten geht, ist Capture One ein unglaublich mächtiges Werkzeug – leistungsfähiger als Photoshop, weil es nicht-destruktiv mit den originalen RAW-Daten arbeitet. Da präzise Farben und Tonwerte die Grundpfeiler unserer Arbeit sind, wollen wir die Stärken des RAW-Formats und von Capture One so lange wie möglich im Bearbeitungsprozess nutzen, idealerweise bis das Bild fast fertig ist. Denn erst dann, wenn wir ein beinahe fertiges Bild vor uns haben, können wir die letzten, entscheidenden Urteile über seinen Look and Feel fällen.
Moderne Versionen von Capture One sind auch bei kleineren Retuschen überraschend leistungsfähig. Wir verwenden oft Fäden und Halterungen, um Objekte in unseren Kompositionen zu positionieren. In den meisten Fällen lassen sich diese Hilfsmittel noch während des Shootings direkt in Capture One entfernen. Dieser Workflow ermöglicht es uns, eine fast endgültige Version des Bildes direkt im Studio zu sehen und gibt uns die Möglichkeit, sofort Korrekturen vorzunehmen.
Der „Liquid Mirror“-Effekt
Um unsere Philosophie in Aktion zu zeigen, erklären wir hier Schritt für Schritt, wie wir den „Liquid Mirror“-Effekt für unser Foto „Looking at Yourself“ erschaffen haben – und das alles ganz ohne Photoshop oder andere digitale Tricks.

Die Magie hinter diesem Effekt beruht auf einem einfachen wissenschaftlichen Prinzip: der Kohäsion. Wassermoleküle haften aneinander, was es ermöglicht, eine erstaunliche Menge auf eine flache Oberfläche zu gießen, bevor es überläuft. Oft fangen wir mit einem Glas Wasser an und stellen dann fest, dass wir noch mehrere weitere brauchen, um den ganzen Spiegel zu bedecken.
Damit das funktioniert, muss der Spiegel absolut eben liegen. Die kreative Herausforderung besteht jedoch darin, die Illusion zu erzeugen, der Spiegel würde senkrecht stehen. Das haben wir so erreicht:
- Eine „Unterkante“ simulieren: Mit schwarzem Stoff haben wir einen Schatten entlang der Kante geworfen, die später als unterer Rand erscheinen sollte.
- Eine „Oberkante“ simulieren: Wir haben einen großen Diffusor mit einer Lichtquelle dahinter platziert, um einen weichen, hellen Verlauf zu erzeugen, der das Licht des Himmels imitiert.
Anschließend haben wir die Blume mit dünnen schwarzen Fäden fixiert. Diese waren so fein, dass wir sie noch während des Shootings problemlos in Capture One entfernen konnten. Auch hier war es wieder von unschätzbarem Wert, das fast fertige Ergebnis live im Studio zu sehen. So konnten wir die letzten 5 % an Qualität herausholen, die ein gutes von einem großartigen Bild unterscheiden.

Das einzige Element, von dem wir dachten, es könnte Photoshop erfordern, war die schwere Halterung des Spiegels. Bei diesem Bild gelang es uns aber, sie mit dem einfachen Reparatur-Pinsel direkt in Capture One zu entfernen.
Das Endergebnis
Und das ist das Ergebnis! Dieser Ansatz erlaubt es uns, bei dem Großteil unserer Arbeit komplett auf Photoshop zu verzichten.















